Über uns - Blickwinkel Hornburg

Das Große Bruch soll nach den Plänen des Landkreises Wolfenbüttel wiedervernässt werden, um Torfverlust und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Gleichzeitig wird das Gebiet als Standort für Windenergie diskutiert. Wie lassen sich beide Ziele miteinander vereinbaren?

Naturschutz im Widerspruch?

Windenergie ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Doch ist jedes Gebiet gleichermaßen für Windkraft geeignet?


Das Große Bruch ist nicht nur eine offene Landschaft zwischen Hornburg und Oschersleben, sondern auch ein bedeutendes Niedermoorgebiet. Moore gelten als natürliche Kohlenstoffspeicher und spielen eine wichtige Rolle für den Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.


Erst 2024 informierte der Landkreis Wolfenbüttel über ein Projekt zur Wiedervernässung des Großen Bruchs. Ziel ist es, den weiteren Torfverlust zu reduzieren, Kohlenstoff im Boden zu halten, CO₂-Emissionen zu vermeiden und gleichzeitig den Naturhaushalt zu stärken. Darüber hinaus sollen Hochwasserrisiken verringert und neue Perspektiven für die Flächennutzung entwickelt werden.


Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Bürgerinnen und Bürger eine grundlegende Frage:


Passt die Errichtung von 13 Windenergieanlagen in ein Gebiet, das gleichzeitig als schützenswertes Moor wiedervernässt und renaturiert werden soll?
 

Wir sind überzeugt, dass diese Frage sorgfältig, transparent und unter Berücksichtigung aller ökologischen Auswirkungen beantwortet werden muss. Denn echter Klimaschutz bedeutet nicht nur die Erzeugung erneuerbarer Energie, sondern auch den Erhalt wertvoller Kohlenstoffspeicher und Lebensräume.


Das Große Bruch verdient eine umfassende Betrachtung – nicht nur als möglicher Standort für Windkraft, sondern auch als bedeutender Natur- und Klimaraum unserer Region.

Rotmilan & Storch in Gefahr?

Das Gebiet zwischen Hornburg und der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt zählt laut Umweltbericht zu den am dichtesten vom Rotmilan besiedelten Regionen Niedersachsens. Für den Rotmilan sieht der Umweltbericht bereits auf Grundlage der vorhandenen Daten eine erhebliche Beeinträchtigung als möglich an.

 

Das Große Bruch ist weit mehr als eine freie Fläche zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die weitläufigen Wiesen, Feuchtflächen und Gräben bieten zahlreichen Vogelarten wichtige Lebens- und Nahrungsräume.

Besondere Bedeutung hat die Region für den Rotmilan. Laut Umweltbericht zum geplanten Windpark befindet sich das Gebiet zwischen Hornburg, der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und dem Oderwald in einem nationalen Verbreitungsschwerpunkt dieser geschützten Greifvogelart. Mit durchschnittlich 22,3 Revieren pro 100 km² gehört die Region zu den am dichtesten von Rotmilanen besiedelten Gebieten Niedersachsens.

Die Auswertungen zeigen zudem, dass sich südlich und östlich von Hornburg über viele Jahre hinweg regelmäßig Brutreviere des Rotmilans befanden. Der Umweltbericht selbst kommt zu dem Ergebnis, dass für den Rotmilan aktuell von einer erheblichen Beeinträchtigung auszugehen ist und weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Auch der Weißstorch prägt das Bild unserer Region. Die Feuchtwiesen und Grünlandflächen des Großen Bruchs dienen ihm als wertvolle Nahrungsgebiete. Störche suchen hier nach Insekten, Amphibien, Kleinsäugern und anderen Beutetieren. Deshalb zählt der Weißstorch bundesweit ebenfalls zu den Vogelarten, für die bei Windenergieplanungen besondere artenschutzrechtliche Prüfungen vorgeschrieben sind.

Windenergie und Artenschutz müssen kein Widerspruch sein. Doch gerade deshalb stellt sich die Frage, ob ein Gebiet mit einer außergewöhnlich hohen Bedeutung für Rotmilan und Weißstorch der richtige Standort für 13 weitere Windenergieanlagen ist.

Wir sind der Auffassung, dass diese Frage sorgfältig und auf Grundlage unabhängiger Untersuchungen beantwortet werden muss, bevor irreversible Entscheidungen getroffen werden.

Hier geht es zum offiziellen Umweltbericht der Gemeinde Schladen-Werla zum geplanten Windpark.

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