Wer zahlt den Preis?

Die Diskussion über den geplanten Windpark betrifft nicht nur Natur- und Artenschutz, sondern auch wirtschaftliche Fragen, die viele Bürgerinnen und Bürger unmittelbar betreffen.

Besonders Eigentümer von Häusern und Grundstücken in Hornburg, Osterode am Fallstein, Rhoden und den umliegenden Ortschaften stellen sich die Frage, welche Auswirkungen die geplanten Anlagen auf die Attraktivität ihres Wohnumfeldes haben könnten. Sichtbeziehungen, veränderte Landschaftsbilder und die Nähe zu Großanlagen können für potenzielle Käufer eine Rolle spielen und damit die Nachfrage nach bestimmten Immobilien beeinflussen.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, welchen langfristigen Nutzen die Region tatsächlich aus dem Projekt zieht. Nach aktueller Gesetzeslage erhalten betroffene Kommunen in Niedersachsen finanzielle Beteiligungen aus dem Betrieb neuer Windenergieanlagen. Diese Zahlungen sind jedoch gesetzlich begrenzt und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die entscheidende Frage lautet daher:

Stehen die langfristigen Vorteile für die Region in einem angemessenen Verhältnis zu den dauerhaften Veränderungen von Landschaft und Ortsbild?

Wir halten es für wichtig, dass alle wirtschaftlichen Auswirkungen – positive wie negative – transparent dargestellt und öffentlich diskutiert werden.

„Viele Eigentümer befürchten Wertverluste ihrer Immobilien. Wie stark sich Windenergieanlagen tatsächlich auf Immobilienpreise auswirken, wird in Studien unterschiedlich bewertet. Klar ist jedoch: Die Nähe zu Windenergieanlagen ist für viele Kaufinteressenten ein relevanter Faktor bei der Kaufentscheidung."

Aus dem Auge.
Aus dem Sinn?

Oft wird bei Windenergieanlagen vor allem über den späteren Betrieb gesprochen. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Bauphase, obwohl sie erhebliche Eingriffe in die Landschaft mit sich bringen kann.

Für die Errichtung moderner Windenergieanlagen sind großflächige Fundamente, Kranstellflächen, Zufahrtswege und Kabeltrassen erforderlich. Hinzu kommen zahlreiche Schwerlasttransporte für Beton, Stahl, Turmsegmente, Rotorblätter und technische Komponenten.

Gerade im Großen Bruch stellt sich die Frage, wie sich solche Baumaßnahmen mit den Zielen des Moor- und Naturschutzes vereinbaren lassen. Auch mögliche Auswirkungen auf bestehende Straßen, Wirtschaftswege und Entwässerungssysteme verdienen eine sorgfältige Betrachtung.

Ebenso wichtig ist der Blick auf das Ende der Nutzungsdauer. Windenergieanlagen werden nicht für die Ewigkeit gebaut. Daher sollte bereits heute transparent dargestellt werden:

  • Wer trägt die Kosten für den vollständigen Rückbau?
  • Werden Fundamente vollständig entfernt?
  • Werden Kabeltrassen und Zuwegungen zurückgebaut?
  • Welche finanziellen Sicherheiten bestehen für den Fall einer Betreiberinsolvenz?
  • Sind die hinterlegten Sicherheiten auch nach Jahrzehnten noch ausreichend?

Nach aktueller Rechtsprechung sind Rückbauverpflichtungen grundsätzlich umfassend zu verstehen und können auch unterirdische Anlagenteile wie Fundamente oder Pfahlgründungen umfassen. Gleichzeitig zeigt die jüngere Rechtsprechung, dass die Höhe und Ausgestaltung der finanziellen Sicherheiten ein wichtiger Prüfpunkt bei Genehmigungen bleibt.

Für die Bürgerinnen und Bürger unserer Region sind dies keine theoretischen Fragen. Es geht darum, sicherzustellen, dass mögliche Folgekosten nicht eines Tages bei der Allgemeinheit verbleiben.

Alles umsonst?

Besonders kritisch betrachten wir die Frage, wie die Windparkplanung mit den bereits laufenden Bemühungen zur Wiedervernässung des Großen Bruchs zusammenpasst.

Der Landkreis Wolfenbüttel verfolgt seit mehreren Jahren das Ziel, die Niedermoorflächen im Großen Bruch zu erhalten und wiederzuvernässen. Hintergrund ist die Reduzierung von Torfverlusten, die Bindung von Kohlenstoff im Boden, die Verringerung von CO₂-Emissionen sowie die Stärkung von Natur- und Hochwasserschutz. Grundlage hierfür ist ein Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2022.

Bereits vor dem aktuellen Moorprojekt wurden im Auftrag der Gemeinde Schladen-Werla durch den Wasserverband Peine auf Flächen östlich von Hornburg erste Maßnahmen zur Wiedervernässung umgesetzt. Zudem laufen seit Jahren Untersuchungen und Planungen, um die Entwicklungspotenziale des Großen Bruchs als Niedermoorlandschaft zu bewerten.

Das aktuelle Moorprojekt ist nach Angaben des Landkreises zunächst bis Ende 2026 finanziert. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass die Umsetzung von Maßnahmen und die weitere Entwicklung des Gebietes viele Jahre in Anspruch nehmen werden.

Vor diesem Hintergrund stellen sich aus unserer Sicht wichtige Fragen:

  • Welche Auswirkungen hätte ein Windpark auf die Ziele der Wiedervernässung?
  • Können die Erkenntnisse aus den bisherigen Untersuchungen weiterhin genutzt werden?
  • Sind die bereits eingesetzten öffentlichen Mittel mit den Planungen vereinbar?
  • Wie werden Klima-, Moor- und Naturschutzziele gegen die wirtschaftlichen Interessen eines Windparks abgewogen?

Wir halten es für notwendig, diese Fragen transparent und nachvollziehbar zu beantworten, bevor Entscheidungen getroffen werden, die das Große Bruch über Jahrzehnte prägen würden.

Heiße Luft statt Strom

Die physikalische Realität der Energiewende bringt zunehmend wirtschaftliche Fehlentwicklungen mit sich, die vor allem unter dem Stichwort des „Einspeisemanagements“ sichtbar werden. Wenn der Wind stark weht und gleichzeitig die Sonne scheint, kommt es im deutschen Stromnetz regelmäßig zu einer akuten Überproduktion. Da elektrischer Strom physikalisch im selben Moment verbraucht oder gespeichert werden muss, in dem er erzeugt wird, geraten die Netze schnell an ihre Belastungsgrenzen. Mangels ausreichender Großspeicher bleibt den Netzbetreibern oft nur die erzwungene Drosselung: Windräder und Solarparks werden künstlich abgeschaltet. Das Absurde daran ist die wirtschaftliche Abrechnung, denn die Betreiber werden für den nicht produzierten Strom dennoch finanziell entschädigt. Diese massiven Ausfallentschädigungen werden am Ende direkt über die Netzentgelte auf die Stromrechnungen der Bürger und lokalen Unternehmen umgelegt.

Gleichzeitig erzeugt dieser ungesteuerte Zubau ein massives „Kraftwerks-Jojo“. Um das Stromnetz stabil zu halten, müssen konventionelle Kraftwerke unter hohem Verschleiß und erheblichen Wirkungsgradverlusten extrem schnell hoch- und runtergefahren werden. Lässt sich der Stromüberschuss im Inland gar nicht mehr abfangen, fließt er als Export in das europäische Ausland. Bei einem akuten Überangebot rutschen die Börsenstrompreise dabei regelmäßig ins Negative. In der Praxis bedeutet dies, dass Deutschland ausländische Abnehmer finanziell dafür bezahlt, dass sie den überschüssigen Ökostrom abnehmen. Während die heimischen Verbraucher und die regionale Wirtschaft also unter historisch hohen Netzentgelten und Strompreisen leiden, wird wertvolle Energie im Ausland verschenkt – ein Zustand, der bei einem weiteren, unkoordinierten Ausbau ohne synchrone Speicherinfrastruktur droht, endgültig zu teurer, heißer Luft zu werden.

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